Soziale Normen prägen Bereitschaft zum Klimaschutz I Peter Andre, Teodora Boneva, Felix Chopra & Armin Falk

09.07.2021

Menschen tragen wenig zum Klimaschutz bei, weil sie die Bereitschaft anderer unterschätzen, ebenfalls ihren Beitrag zu leisten. Das ist das zentrale Ergebnis einer aktuellen Studie der Bonner Verhaltensökonomen Peter Andre, Teodora Boneva, Felix Chopra und Armin Falk, Mitglieder des Exzellenzclusters ECONtribute: Marktes & Public Policy der Universitäten Bonn und Köln. Die Studie ist vorab als „ECONtribute Discussion Paper“ erschienen.

Anhand eines umfangreichen Befragungsexperiments belegt das Forschungsteam für die USA, dass Informationen über die tatsächlichen gesellschaftlichen Normen und Verhaltensweisen die Spendenbereitschaft für Klimamaßnahmen erhöhen. Darüber hinaus zeigt die Studie, inwieweit ökonomische Präferenzen und moralische Werte für die individuellen Einstellungen zum Klimaschutz maßgeblich sind.

Anteil der Klimaschutz-Befürwortenden deutlich unterschätzt

Rund 8.000 repräsentativ ausgewählte Erwachsene in den USA hatten in dem Experiment die Möglichkeit, 450 Dollar zu gewinnen. Vorab mussten sie angeben, wie viel sie davon an eine Klimaschutz-Organisation spenden würden. Mit dem Gesamtbetrag ließe sich der jährliche CO2-Ausstoß eines durchschnittlichen US-Amerikaners kompensieren. Anhand der genannten Beträge konnten die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler messen, inwieweit die Menschen bereit waren, auf eigene Kosten den Kampf gegen den Klimawandel zu unterstützen.

Im Schnitt gaben die Befragten an, die Hälfte des Geldgewinns für den Klimaschutz zu spenden. Die Teilnehmenden wurden außerdem gefragt, wie hoch sie den Anteil ihrer Landsleute einschätzen, die laut Umfragen selber aktiv etwas für den Klimaschutz tun beziehungsweise die Bekämpfung des Klimawandels für wichtig halten. Dabei zeigte sich, dass der tatsächliche Anteil der Klimaschutz-Aktiven (62 Prozent) und der Klimaschutz-Befürwortenden (79 Prozent) deutlich unterschätzt wird. Werden die Teilnehmenden vor ihrer Entscheidung über diese Zahlen informiert, fällt die Spendenbereitschaft um fünf bis sechs Prozent höher aus. Besonders groß ist der Effekt bei Menschen, die den Klimawandel leugnen oder ihm zumindest skeptisch gegenüberstehen.

Frauen spenden im Schnitt mehr als Männer

Im Durchschnitt spenden Frauen 17 Dollar mehr für den Klimaschutz als Männer. Demokraten geben 45 Dollar mehr als Republikaner. Mit höherem Haushaltseinkommen steigt die Spendenbereitschaft, mit höherem Bildungsabschluss geht sie allerdings bei Republikanern sogar zurück. Die Analyse der Persönlichkeitsmerkmale zeigt, dass sich vor allem Geduld und die Absicht, zum Wohlergehen anderer beizutragen, positiv auf die Bereitschaft zum Klimaschutz auswirken. Auch sind Teilnehmende, deren moralische Werte universell für alle Menschen gelten, zu größeren Spenden bereit als solche, die sich eher ihrer eigenen Gruppe verpflichtet fühlen.

„Klimaschutz ist eine Frage der Kooperation. Menschen neigen aber dazu, nur bedingt kooperativ zu sein: Wenn du mitmachst, mache ich auch mit. Deswegen ist es gerade im Kampf gegen den Klimawandel wichtig, Fehleinschätzungen zur Kooperationsbereitschaft anderer aufzudecken und zu korrigieren“, erklärt Armin Falk, Professor bei ECONtribute an der Universität Bonn und Direktor des briq-Instituts für Verhalten und Ungleichheit. Um Verhaltensänderungen und Akzeptanz für klimapolitische Maßnahmen zu erreichen, sei es entscheidend, dass Klimaschutz als gesellschaftliche Norm wahrgenommen werde. Breit angelegte Informationskampagnen könnten hier eine selbstverstärkende Wirkung entfalten, so die Forschenden.

Presse und Kommunikation

Carolin Jackermeier
ECONtribute: Markets & Public Policy
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M jackermeier@wiso.uni-koeln.de

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