Abzug von US-Truppen kostete deutsche Regionen Arbeitsplätze und Steuereinnahmen

02.06.2026

Der Abzug von rund 200.000 US-Soldatinnen und Soldaten aus Deutschland nach dem Ende des Kalten Krieges hatte weitreichende wirtschaftliche Folgen für viele betroffene Regionen. Eine neue Studie von ECONtribute-Mitglied Johannes Kochems und Jakob Schmidhäuser aus der ZEW-Forschungsgruppe „Ungleichheit und Verteilungspolitik“ zeigt: Für jeden abgezogenen Soldaten gingen rechnerisch mehr als eine halbe lokale Arbeitsstelle verloren.

 

Für ihre Untersuchung analysierten die Forscher den groß angelegten Truppenabbau der 1990er-Jahre. Mithilfe neu aufbereiteter Verwaltungsdaten des US-Verteidigungsministeriums rekonstruierten sie die Truppenstärke auf kommunaler Ebene und verknüpften diese Informationen mit Daten zu Beschäftigung und kommunalen Finanzen.

Die wirtschaftlichen Auswirkungen erwiesen sich als erheblich. Für jeden abgezogenen Soldaten sank die Zahl der lokalen Arbeitsplätze um durchschnittlich 0,53 Stellen. Der Großteil dieser Verluste entstand nicht direkt auf den Militärbasen: Rund 61 Prozent der wegfallenden Arbeitsplätze entfielen auf Unternehmen und Dienstleister in der Region, die von den Ausgaben der Soldaten und ihrer Familien profitiert hatten.

Auch die kommunalen Haushalte gerieten unter Druck. Durch die geringere wirtschaftliche Aktivität gingen die Einnahmen der betroffenen Gemeinden deutlich zurück. Viele Kommunen reagierten mit Ausgabenkürzungen und erhöhten zugleich die Hebesätze für die Gewerbe- und Grundsteuer. Dennoch blieben die kommunalen Einnahmen langfristig unter dem Niveau vor dem Truppenabzug.

Besonders deutlich zeigen sich die Folgen bei Beschäftigten, die infolge von Standortschließungen ihren Arbeitsplatz verloren. Ihre Beschäftigungschancen waren auch Jahre später geringer als die vergleichbarer Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer. Selbst 15 Jahre nach dem Arbeitsplatzverlust lagen ihre Tageslöhne durchschnittlich noch um 9,2 Prozent niedriger.

Die Auswirkungen waren dabei nicht für alle Gruppen gleich. Frauen, ältere Beschäftigte sowie Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer in Regionen mit ohnehin schwachen Arbeitsmärkten waren besonders stark betroffen.

Die Ergebnisse liefern zudem empirische Hinweise für aktuelle Debatten über die zukünftige US-Truppenpräsenz in Europa. Sie verdeutlichen, dass militärische Standorte für viele Regionen nicht nur sicherheitspolitische, sondern auch wirtschaftliche Bedeutung besitzen und ihr Wegfall langfristige Folgen für Beschäftigung, Einkommen und kommunale Finanzen haben kann.

Mehr dazu im ECONtribute Discussion Paper und auf Handelsblatt.com.

Kontakt:

Catherine Briones

Event & PR Manager

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