Eine neue Studie von ECONtribute-Mitglied Christopher Roth und internationalen Co-Autorinnen und Co-Autoren untersucht die ersten Auswirkungen des australischen Social-Media-Verbots für Jugendliche unter 16 Jahren. Die Ergebnisse zeigen: Der Erfolg solcher Maßnahmen hängt entscheidend von sozialen Normen und Peer-Effekten ab.
Seit Dezember 2025 dürfen Jugendliche unter 16 Jahren in Australien keine Konten auf großen Social-Media-Plattformen mehr besitzen. Die Regelung gilt international als wegweisendes Experiment und wird inzwischen auch in zahlreichen anderen Ländern diskutiert.
In ihrer aktuellen Studie “Why Bans Fail: Tipping Points and Australia’s Social Media Ban” analysieren Christopher Roth, Professor an der Universität zu Köln und Mitglied des Exzellenzclusters ECONtribute, gemeinsam mit Leonardo Bursztyn, Angela Duckworth, Rafael Jiménez-Durán, Aaron Leonard, Filip Milojević und Cass Sunstein die ersten Erfahrungen mit dem Verbot. Anhand von Umfragedaten, die vier Monate nach Inkrafttreten der Regelung unter australischen Jugendlichen erhoben wurden, analysieren die Forscher, wie junge Menschen auf die neuen Regelungen reagiert haben.
Die Ergebnisse deuten auf eine begrenzte Wirksamkeit der Maßnahme hin. Nur etwa ein Viertel der betroffenen Jugendlichen hält sich an das Verbot. Gleichzeitig geben die Befragten an, dass ungefähr zwei Drittel ihrer Altersgruppe auf soziale Medien verzichten müssten, bevor sie selbst bereit wären, dies ebenfalls zu tun. Die Forschenden argumentieren, dass die aktuelle Regelung damit deutlich unter dem notwendigen „Kipppunkt“ liegt, an dem sich Verhaltensänderungen selbst verstärken würden.
Ein zentrales Ergebnis der Studie ist die Bedeutung sozialer Netzwerke und Normen. Viele Jugendliche berichten, weiterhin soziale Medien zu nutzen, weil ihre Freundinnen und Freunde dort aktiv bleiben. Zudem werden Jugendliche, die sich an das Verbot halten, häufig als weniger populär wahrgenommen als diejenigen, die weiterhin online sind. Dadurch verbleiben gerade besonders einflussreiche Jugendliche auf den Plattformen, was die Entstehung neuer sozialer Normen erschwert.
Die Autorinnen und Autoren folgern, dass Verbote allein möglicherweise nicht ausreichen, um das Nutzungsverhalten nachhaltig zu verändern. Erfolgreiche Regulierung müsse soziale Dynamiken stärker berücksichtigen und gegebenenfalls durch Maßnahmen ergänzt werden, die auf soziale Normen und individuelle Anreize wirken.
Mehr dazu im ECONtribute Policy Brief und auf FAZ.net.