Warum uns das Lagerfeuer mehr liegt als die Statistik

29.07.2026

Eine Studie von ECONtribute-Mitgliedern Florian Zimmermann (Universität Bonn) und Christopher Roth (Universität zu Köln) gemeinsam mit Robin Musolff (Universität zu Köln) zeigt: Menschen können widerlegte Falschinformationen nicht einfach ausblenden.

 

Falsche Tatsachen und unwahre Zusammenhänge wirken offenbar selbst dann noch nach, wenn sie klar widerlegt wurden. So etwas passiert vor allem dann, wenn die Fake News als Teil einer wirksamen emotionalen Erzählung auftreten. Das zeigt eine aktuelle Studie von ECONtribute-Mitgliedern Florian Zimmermann (Universität Bonn) und Christopher Roth gemeinsam mit Robin Musolff (beide Universität zu Köln).

Für die Studie stellten die Forscher ihren Proband:innen wertende Informationen über fiktive Unternehmen zur Verfügung. Die Maßgabe war, dass die Hälfte der Informationen wahr sei, die andere Hälfte aber falsch oder irrelevant. Daraufhin sollten die Probanden die Unternehmen bewerten.

Die Ergebnisse zeigen: Falsche Zahlen oder Statistiken änderten die Einstellungen der Menschen kaum, falsche Geschichten hingegen beeinflussten die Meinungen spürbar. Das blieb selbst dann so, wenn die Geschichten später als falsch entlarvt wurden.

Die Studienautoren vermuten: Zumindest einigen Menschen sei nicht einmal bewusst, dass Unwahrheiten ihre Meinung tatsächlich beeinflussen. Das Hirn vollzieht das (falsch) Beschriebene nach, als sei es real erlebt.

Angesichts der rasanten Entwicklung von künstlicher Intelligenz sieht Zimmermann Handlungsbedarf. Diese Technologien ermöglichen es bereits heute, Fake News praktisch in Echtzeit und ohne nennenswerte Kosten mit Tönen, Bildern und Videos zu versehen. So könnten Falschinformationen, geschickt gestreut, noch stärker hängenblieben als eine reine Erzählung. Zimmermann plädiert daher für neue Strategien gegen Fake News: Faktenchecks allein reichen nicht aus. Stattdessen könnten ähnlich emotional aufgeladene Erzählungen mit den wahren Umständen helfen, Falschinformationen die Wirkmächtigkeit zu nehmen.

Mehr dazu im ECONtribute Discussion Paper und im General-Anzeiger.

Kontakt:

Maria John Sánchez

PR Manager

M maria.johnsanchez@uni-bonn.de